Gedanken zur Auswahl der Zuchttiere
17.05.2008
25.06.2010 aktualisiertVorweg einige Ratschläge aus Großbritannien:
Jeder Züchter und Gebrauchsschafhalter möchte mit seinen Tieren den größtmöglichen Erfolg haben. Den Grundstock dafür legt er schon beim Einkauf der Tiere, d.h. des genetischen Materials.Auf den Auktionen und Schauen findet man häufig die ganze Bandbreite bezüglich Aussehen, Gewicht und Leistungsdaten. Das Problem besteht darin, die genetisch besten daraus auszuwählen. Denn gerade bei ungeprüften Tieren weiß der Käufer nie, ob die schlechten Tiere nur wegen der schlechten Haltung so sind oder ob ihr Erbgut für das negative Erscheinungsbild verantwortlich ist und sie trotz bester Haltungs- und Fütterungsbedingungen nicht besser werden können. Weil das aber nie ganz auszuschließen ist, kann man keinem raten, auf einer Auktion schlechte Tiere für seine Zucht zu kaufen. Leider gibt es auch den umgekehrten Fall:
Kauft ein Züchter mit wenig Erfahrung bzw. Gespür für die Bedingungen der Tierhaltung Schafe, die genetisch und optisch am oberen Rand liegen und läßt ihnen bzw. ihrem Nachwuchs nur eine mangelhafte Fütterung und Haltung zukommen, so sind die Nachkommen schlechter als die gekauften Elterntiere. Schnell kommt dann das Gerücht auf, der Züchter habe schlechte "Ware in schöner Verpackung" verkauft. Der eigentliche Grund für die Qualitätseinbuße ist aber der Käufer, der nicht in der Lage ist, die genetischen Möglichkeiten seiner Schafe auszureizen.
Jeder Käufer sollte sich dann vergewissern, ob er die erforderlichen Unweltbedingungen (Haltung, Fütterung, Parasitenbekämpfung usw.) seinen Schafen in optimaler Form geboten hat. Nur dann wird er stets Freude und Erfolg mit seinen Schafen haben.
Der Rat an den "Jungzüchter" kann deshalb nur lauten:
Zuchtmaterial nur aus genetisch gesicherten Beständen zu kaufen.
Dafür sollte man sich über den Bestand und die langjährige Entwicklung des Zuchtbestandes des Verkäufers informieren.
Ebenso wichtig ist daneben aber auch die optimale Haltung der Schafe nach dem Kauf, worauf in der Fachliteratur immer wieder hingewiesen wird wie z.B. bei Dr. Schlolaut/Prof. Wachendörfer:Ergänzung:
Die weithin bekannten Fachbuchautoren
Dr. Wolfgang Schlolaut und Prof. Dr. Günter Wachendörfer
in dem Handbuch der Schafhaltung,
5. vollkommen überarbeitete und erweiterte Auflage S. 140:"Die Meinung von der Anspruchslosigkeit des Schafes wurde im Vergleich zur Fruchtbarkeit und der Gewichtsentwicklung durch das von der Nährstoffversorgung weniger abhängige Wachstum der Wolle geprägt. Die Ansicht wurde dadurch begünstigt, dass die Folgen einer Mangelernährung durch das Wollvlies verdeckt werden. Darauf fußend, wird von nicht wenigen Schafhaltern die Mangelernährung der Schafe als Ideal angesehen und eine der Leistungsveranlagung entsprechende, optimale Ernährung als „intensiv", d. h. nicht schafgerecht diskriminiert.
Das Schaf gehört damit zu den wenigen Nutztierarten, bei denen die suboptimale Fütterung, d. h. die Mangelernährung, der Jungtiere die Regel und bei den hochtragenden und säugenden Mutterschafen weit verbreitet ist.
Ein Phänomen, welches beim Vergleich der Ergebnisse von Wirtschaftlichkeitskontrollen in Praxisbetrieben mit denen von Mastleistungs- und Rassenvergleichsprüfungen offenbar wird.Die optimale, leistungsgerechte Fütterung hat somit eine entscheidende Bedeutung, wenn das Schaf im Wettbewerb mit den anderen fleischerzeugenden Nutztierarten bestehen soll. Sie ist kurzfristiger und einfacher zu realisieren, als es Leistungssteigerungen durch züchterische Maßnahmen sind. Ganz abgesehen davon ist es wenig sinnvoll, die genetische Leistungsveranlagung weiter zu verbessern, wenn nicht von den Möglichkeiten Gebrauch gemacht wird, die vorhandenen Anlagen durch die Verbesserung der Umweltbedingungen, d. h. auch der Fütterung, zu realisieren."