Warum Neuseeländer in Großbritannien?
08.11.2005 
04.11.2011 zuletzt aktualisiert


Diese erstaunte Frage drängt sich förmlich auf, wenn man erfährt, daß gerade im Mutterland der Suffolkzucht Samen von Böcken aus Neuseeland eingesetzt werden.
Im Jahre 2003 hatte der größte Züchter aus GB mit über 400 Herdbuch-Mutterschafen diese Samen von neuseeländischen Spitzenböcken in seiner Herde eingesetzt. Der Erfolg gab ihm recht:
Auf einer der größten Auktionen in GB erzielte er sehr gute Verkaufserfolge. Der Durchschnittspreis der Neuseelandböcke, von denen er ca. 50 Stück verkauft hat, lag 160 £ über dem Durchschnittspreis der anderen Böcke.

Was unterscheidet den neuseeländischen vom britischen Suffolk
und was führt zu diesem Verkaufserfolg?

In Neuseeland, dem größten Schaffleisch-Exporteur der Welt, hat man natürlich bei der Zucht auf die Ausprägung der wertbestimmenden Bestandteile - Keulen und Rückenmuskel - geachtet.
Die neuseeländischen Suffolkschafe sind etwas größer als die britischen Suffolks, ohne daß der US-amerikanischen Irrweg über die für die Schlachtlammproduktion nutzlose Show Line (s. Wohin geht die Suffolk-Zucht in Deutschland?) nachgeahmt wurde.
Das führte dazu, daß die Böcke sich durch eine sehr starke Keulenbemuskelung und eine auffallende Körperlänge auszeichneten. Die Ultraschallmessung ergab darüberhinaus eine sehr starke Ausprägung des Rückenmuskels (M. Longissimus dorsi).
Da die Nachfrage nach Knochen zumindest bei den menschlichen Verbrauchern nicht so stark ist, wurde in Neuseeland auf die Züchtung von übermäßig starken Knochen verzichtet. Dies geschah auch vor dem Hintergrund, daß die Ablammung in den Riesenherden in Neuseeland unter natürlichen Bedingungen draußen und weitgehend ohne menschliche Hilfe erfolgt.
Diese Ablammbedingungen haben auch zu einem weiteren Effekt geführt:

Die Ablammungen erfolgen sehr leicht,
die Lämmer sind sehr vital, d.h. sehr schnell auf den Beinen
und suchen sofort das Euter, um zu saugen.
Da auch in Deutschland die Herden immer größer werden und die Arbeitskräfte teurer, sind "pflegeleichte" Schafen, die in der Ablammzeit wenig Arbeit beanspruchen, von großer Bedeutung.
Auf der britischen Homepage www.easyrams.uk werden unter dem Leitspruch "Work smarter not harder" die Vorteile der Neuseeland Suffolks aufgelistet.

Aus diesem Grunde haben wir uns entschlossen, diese vorteilhaften Ergebnisse der neuseeländischen Suffolkzucht nach Deutschland zu bringen. Mit dem Jährlingsbock Sandyknowe Sunshine haben wir, wie uns selbst britische Züchter bestätigten, den besten - aber leider auch teuersten - Bock aus der neuseeländischen Besamung im Herbst 2005 in unsere Herde geholt.
Dieser Bock hat in unserem Zuchtbetrieb sehr gut eingeschlagen und die Vorteile vererbt, die wir uns erwünscht haben. Er ist bisher der erste und einzige Bock aus neuseeländischer Besamung, der von Großbritannien nach Deutschland gekommen ist.
Nach Ende der Decksaison 2006 wurde er ins Ausland verkauft.
Nur am Rande sei vermerkt, daß die "Neuseeländer" auf Anhieb bei der BLUP-Zuchtwertschätzung bei dem Merkmal Tageszunahmen Spitzenergebnisse erzielten. Hervorzuheben ist, daß diese bei reiner Weidehaltung ohne Kraftfutter erzielt wurden.

Der im November 2009 aus GB importierte Suffolkbock
Roseden President
stammt aus der easy-care-Zuchtrichtung; sie steht für:

schmalere Köpfe,
geringere Knochenstärke,
schnelleres Wachstum,
längeres Leben,
Leichtlammigkeit,
außerdem sind die Tiere größer als die englischen Suffolks und länger.
Wegen dieser guten Eigenschaften wurde Roseden President bereits auf seinem Zuchtbetrieb mit Mastlämmerproduktion (34.000 Mutterschafe) 3 Monate zum Decken eingesetzt. Trotz des Deckeinsatzes in Großbritannien hat sich der Bock sehr gut erholt und wurde im Januar 2010 auf unserem Betrieb gekört.

Roseden President  wurde 2010 als Deckbock eingesetzt, wegen des großen Erfolges im Jahr 2011 nochmals; im Oktober ging er an eine Suffolkzucht im Ausland.
Ab April 2012 stehen von ihm die ersten Lämmer zum Verkauf.