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Scrapie-Resistenzzucht
24.05.2004
17.04.2012 zuletzt aktualisiert
Von großer Bedeutung für alle ist die politische Entscheidung, daß in Zukunft in Europa Handelsrestriktionen für nicht scrapieresistente Schafe eingeführt werden.
Scrapie-Resistenzzucht ist für alle sehr wichtig:
2011 gab es neunzehn (19) Scrapiefälle,
2012 bisher drei.
(Quelle: www.bmelv.de Anzahl der bestätigten TSE (Scrapie)-Fälle in Deutschland
Stand: 17.04.2012)Interessant ist die Verteilung der Fälle auf die Bundesländer (s. Tabelle unten). Hier zeigt sich deutlich, daß einige der Scrapie-Genotypisierung immer noch eine zu geringe, wenn nicht sogar keine Beachtung schenken. Es werden nicht genotypisierte Tiere bzw. Genotypklasse G2 und schlechter angeboten - selbst in den Auktionskatalogen.
Sogar für die Elite-Bockauktion im März 2012 für Schwarzköpfe und Suffolks sind wieder Tiere der Genotyplasse G2 zugelassenBreyhahn-Suffolks sind seit mehreren Jahren anerkannt als
TSE-resistent der Stufe I gemäß § 6 der TSE-Resistenzzuchtverordnung.
Bestätigte Scrapie-Fälle im Jahr 2012
| Fall-Nr. | Seuchenfeststellung am |
Bundesland |
Tiere im betroffenen Bestand |
| 1 | 10. Februar | Niedersachsen | 3 |
| 2 | 07. März | Baden-Württemberg | 584 |
| 3 | 29. März | Bayern | 140 |
|
Insbesondere durch die EG-Entscheidungen 2002/1003/EG vom 18.12.2002 zur Festlegung von Mindestanforderungen an eine Erhebung der Prionprotein-Genotypen von Schafrassen sowie 2003/100/EG vom 13.02.2003 zur Festlegung von Mindestanforderungen an die Aufstellen von Programmen zur Züchtung von Schafen auf Resistenz gegen übertragbare spongiforme Enzephalopathien sind Regelungen in Bezug auf Schafe mit bestimmten Prionproteingenotypen erlassen worden.
Die Bezeichnung der Allele durch einen Code aus drei Buchstaben sowie die Bezeichnung der einzelnen Genotypen durch Kombination der Bezeichnung von zwei Allelen ist durch Anhang I der Entscheidung 2002/103/EG festgelegt.
Die Einteilung der bisher üblichen Risikoklassen R1 bis R5 ist jedoch nicht mehr hilfreich, um bestimmte Genotypen bezüglich der rechtlichen Anforderungen zusammenfassend zu bezeichnen.
Daher hat die Projektgruppe Deutsche Gesellschaft für Züchtungskunde (DGfZ) zur Züchtung auf TSE-Resistenz bei Schafen auf ihrer Sitzung am 04.04.2003 empfohlen, sowohl die Bezeichnung als auch die Gruppierung der bisherigen Risikoklassen abzulösen durch Genotypklassen nach der Einteilung im folgenden Abschnitt:Scrapie-Resistenz-Zucht weiter vorantreiben
Bericht der Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein veröffentlicht im Bauernblatt Schleswig-Holstein vom 24.05.2003 (auszugsweise)Genetische Grundlagen
Mehrere Untersuchungen haben gezeigt, daß verschiedene Aminosäuremuster des Prionproteins (PrP) für die Scrapie-Empfänglichkeit bzw. für die Scrapie-Resistenz bei Schafen verantwortlich sind.
Das PrP besteht aus 256 Aminosäuren. Seine Zusammensetzung wird vom PrP-Gen auf Chromosom 13 (Teil der Erbsubstanz) bestimmt. Die entsprechenden Abschnitte (Codons) des PrP-Gens, die für die Empfänglichkeit der Traberkrankeit verantwortlich sind, befinden sich an den Positonen 136, 154 und 171.
Bisher wurden fünf verschiedene für das Scrapie-Risiko bedeutsame Genvarianten (=Allele) des PrP-Gens identifiziert. Die Bezeichnungen der Allele ergeben sich aus den Aminosäuren an den Positionen 136, 154 und 171 des Prionproteins. Folgende Allele werden unterschieden:
|
Position des Prionproteins (PrP) |
Allel | |||
|
136 |
154 |
171 |
||
| Aminosäure |
Alanin (A) Alanin (A) Alanin (A) Alanin (A) Valin (V) |
Agninin (R) Histidin (H) Arginin (R) Arginin (R) Arginin (R) |
Arginin (R) Glutamin (Q) Histidin (H) Glutamin (Q) Glutamin (Q) |
ARR AHQ ARH ARQ VRQ |
Von den angegebenen Genvarianten ist es das ARR-Allel, welches für die Scrapie-Resistenz verantwortlich ist und das VRQ-Allel, welches die höchste Scrapie-Empfänglichkeit verursacht. Da ein Chromosom aus zwei DNS-Strängen aufgebaut ist, besitzt ein Schaf immer zwei Allele, die den Genotyp bestimmen. So lassen sich aus den fünf Allelen 15 verschiedene Genotypen kombinieren. Diese können reinerbig (homozygot) vorliegen z.B. als ARR/ARR oder mischerbig (heterozygot) sein wie z.B. ARR/ARQ oder VRQ/ARH.
Aus den Risikogruppen wurden ab dem 1. Juni 2003 Genotypklassen
Um bei den vielen verschiedenen Genotypen den Überblick zu
behalten, waren die Genotypen bisher in die Risikogruppen R1 bis R5 eingeteilt.
Ab dem 1. Juni 2003 werden diese durch die Genotypklassen G1 bis G5 ersetzt. Die
neuen Genotypklassen wurden nach der Anzahl ARR-Allele und VRQ-Allele gebildet.
Vorteil dieser neuen Einteilung ist, daß sie besser auf züchterische und
seuchenhygienische Anforderungen abgestimmt ist.
So befinden sich scrapie-resistente Tiere, also Schafe mit zwei ARR-Allelen jetzt in der
Genotypklasse G1 (vormals Risikogruppe R1).
Alle Schafe mit einem ARR-Allel und
keinem VRQ-Allel werden in die Genotypklasse G2 eingruppiert,
alle Schafe ohne ARR-Allel und ohne VRQ-Allel in die Genotypklasse 3.
In der Genotypklasse G4
befinden sich alle Tiere mit einem ARR-Allel und einem VRQ-Allel.
Schafe mit
mindestens einem VRQ-Allel aber keinem ARR-Allel werden in die Genotypklasse G5
eingeordnet.
Nachstehend ein Überblick, in welche der neuen Genotypklassen
ein bestimmter PrP-Genotyp sich jetzt befindet und in welche Risikogruppe er
vorher eingeteilt war.
| Risikogruppe (alt) | Genotypklasse (neu) | PrP-Genotyp |
| R1 | G1 | ARR/ARR |
| R2 | G2 | ARR/AHQ |
| R3 | ARR/ARH | |
| R3 | ARR/ARQ | |
| R2 | G3 | AHQ/AHQ |
| R3 | AHQ/ARH | |
| R3 | AHQ/ARQ | |
| R4 | ARH/ARH | |
| R4 | ARH/ARQ | |
| R4 | ARQ/ARQ | |
| R4 | G4 | VRQ/ARR |
| R4 | G5 | VRQ/ARH |
| R5 | VRQ/AHQ | |
| R5 | VRQ/ARQ | |
| R5 | VRQ/VRQ |
Bei einem Scrapie-Fall werden bei Vorliegen einer
Genotypisierung nach der neuen Einteilung Zuchtböcke der Genotypklasse G1 und
weibliche Zuchtschafe der Genotypklasse G1 sowie G2 nicht mehr gekeult.
Ebenfalls nicht mehr gekeult werden Schlachtlämmer der Genotypklassen G1, G2 und
G4, d.h. die gesamten Lämmer aus einem G1-Bock können vermarktet werden.
Durch
die neuen Genotypklassen haben die mischerbigen ARR-Träger eine starke
Aufwertung erfahren.
Dies ist nicht nur von großer Bedeutung für die
Gebrauchsschafhaltung, sondern auch für die Herdbuchzucht: liefern diese Tiere
doch bei der Verpaarung mit einem resistenten Tier (ARR/ARR) zur Hälfte
resistente Nachkommen.
Bei der Anpaarung eines ebenfalls mischerbigen Bockes ist
nach den Mendelschen Regeln immerhin ein Viertel der Nachzucht resistent.