Suffolkschafe -
Wohin geht die Schafhaltung in der EU?
08.11.2005
17.05.2008 zuletzt aktualisiertDurch den Wechsel von der Mutterschafprämie auf die Flächenprämie werden sich auch die Anforderungen an die Produktionsschwerpunkte der Schafhalter nachhaltig ändern:
Bisher war es ein wichtiges Kriterium (für manche Schafhalter sogar das wichtigste), möglichst viele Mutterschafe pro ha zu halten und damit soviel wie möglich an Mutterschafprämie zu beziehen.
Im Gegensatz dazu wird die Flächenprämie unabhängig vom Besatz gezahlt. Entscheidend für den Gewinn ist in Zukunft deshalb nicht mehr die Anzahl der Mutterschafe pro ha, sondern einzig und allein, daß möglichst viel Qualitäts-Lammfleisch mit möglichst wenig Aufwand pro ha erzeugt wird.Ein Blick über Großbritannien zur Schafhaltung in Neuseeland (NZ) mag da hilfreich sein:
Nachdem dort vor etwa 20 Jahren die Subventionen gestrichen wurden, begann bei den Schafhaltern ein Umdenken, sowohl beim Ertrag als auch bei den Kosten:a) Ertrag
Durch den Einsatz entsprechender Zuchttiere - Schlagwort: Breeding for the Market - wurden die wertbestimmenden Bestandteile des Schlachtkörpers (Keule und Rücken) vergrößert. Dadurch stieg das Durchschnittsgewicht der Schlachtlammkörper in den letzten 20 Jahren in NZ von 13,5 kg auf gut 16,25 kg, d.h. um über 20 %!
Die Lämmer sind in der Regel bei der Schlachtung noch keine 16 Wochen alt. Dabei wurde bei der Zucht auch darauf geachtet, daß die Schlachtlämmer - obwohl sie kontinuierlich größer wurden - trotzdem nicht verfetten. Dadurch konnten die Neuseeländer ihre Position am Weltmarkt ausbauen. Gleichzeitig wurde auf höhere Fruchtbarkeit selektiert.b) Kosten
Da auch in NZ die Kosten für Arbeit immer höher wurden, mußte man diesem Anstieg der Kosten dadurch entgegenwirken, daß die Herden immer größer werden. Heute wird eine Herde von 1.500 Schafen normalerweise nur von einem Schäfer betreut!
Das ist natürlich nur möglich, wenn in der Ablammzeit die menschliche Hilfe nur ausnahmsweise benötigt wird. Unter diesen Voraussetzungen haben Rassen, die zu Geburtsschwierigkeiten neigen (z.B. durch zu starke Knochen oder gedrungenen Körper) keinen Platz in der Herde.
Andererseits müssen die Lämmer sehr vital sein, damit sie auch bei schlechtem Wetter gleich nach der Geburt aufstehen und Milch zu sich nehmen.
Bei der Zucht wurden auch die Muttereigenschaften und die Milchleistung der Mutterschafe nicht vernachlässigt. Um die Milchleistung zu erhöhen, wurden teilweise sogar Milchschafe eingekreuzt!
Ein weiterer Punkt ist die Züchtung auf Resistenz gegen Innenparasiten. Auch hier hat man erstaunliche Fortschritte gemacht. Bei den Lämmern ist bis zur Schlachtung i.d.R. keine Wurmbehandlung erforderlich!Diese Grundsätze der neuseeländischen Schafhaltung realisiert man zunehmend auch in Großbritannien. Durch die Gründung von Sire Reference Schemes (SRS) auf BLUP-Basis wurden die Tageszunahmen erheblich erhöht und die Schlachtkörperzusammensetzung entscheidend verbessert.
Daneben gewinnen aber auch die schon dargestellten "Easy Care"-Eigenschaften (Muttereigenschaften, Milchleistung, leichte Ablammungen, Resistenz gegen Innenparasiten usw.) immer stärker an Bedeutung.
Vgl. auch Blup-Zuchtwert in GeldDiese Gesichtspunkte bei der Schafhaltung werden auch bei uns in Deutschland immer stärker gewichtet werden müssen.
Dabei ist es gleich, ob einerseits der "hauptamtliche" Schafhalter immer mehr Schafe pro Arbeitskraft halten muß, oder ob der Nebenerwerbsschafhalter mehr Schafe halten kann oder auch nur wegen der geringeren Probleme (leichtere Ablammungen, weniger Wurmbelastung usw.) mehr Gewinn und mehr Freude an den Schafen hat.Die von uns eingesetzten Stammböcke:
der "Neuseeländer" Sandyknowe Sunshine
und Drinkstone Rising Star
besitzen diese Easy-Care-Eigenschaften neben sehr guten Leistungsdaten und sehr guter äußerer Erscheinung und haben sie an ihre Nachzucht weitergegeben.Qualitätsböcke mit diesen guten Eigenschaften sind für die deutschen Schafhalter, gleich ob im Vollerwerb oder als Hobby, genauso wichtig wie für die britischen oder neuseeländischen Konkurrenten.