Suffolkschafe -
Wohin geht die Suffolk-Zucht in Deutschland?
24.05.2004 
25.04.2008  zuletzt ergänzt

Rolf Breyhahn, Breiholz
veröffentlicht in Deutsche Schafzucht

Auf den Züchterabenden der Suffolk-Elite, von Auktionen und Schauen, aber auch bei anderen Zusammenkünften der Suffolk-Züchter wird neuerdings wieder stärker die alte Frage diskutiert, welcher Suffolk-Typ in Deutschland in Zukunft die größten Erfolgschancen hat.

Zur Anschauung seien die zwei Zuchtrichtungen kurz umschrieben:

1. Der englische (französische) Typ
Der ältere englische Typ ist kleinrahmig, breit und gut bemuskelt.
Der modernere, in Schottland und Irland gezüchtete Typ ist mittelrahmig, lang, sehr starkknochig, mit einer starken Rippenwölbung und breiter vorgeschobener Brust. Die Bemuskelung ist sehr gut bei geringer Neigung zur Verfettung.

2. Der amerikanische Typ
Auch hier gibt es wiederum zwei Zuchtrichtungen:
    die Show-line und
    die Production-line bzw. Wethersire   (Hammelvererber).


Die "Show-line" ist ein, wie der Name schon sagt, extra für Ausstellungen gezüchteter Typ und wurde nur auf Größe gezüchtet. Erfolge auf Ausstellungen hat in den USA und Kanada nur derjenige, dessen Tiere Widerristhöhen von einem Meter und mehr aufweisen. Die Bemuskelung spielt dabei, wenn überhaupt, nur eine untergeordnete Rolle. Die Rippen sind kurz und nur flach gewölbt. Um nicht nur eine gerade Oberlinie, sondern auch eine gerade Unterlinie zu haben, wurde der Bauch weggezüchtet.

        In der September-Ausgabe 1991 des Sheep-Breeder-Magazins (der amerikanischen "Schafzucht") wurde diesem Typ der Leitartikel gewidmet.
Der Autor, Larry E. Mead, beschreibt anschaulich die Entwicklung der Schafzucht in den USA seit Ende der 60er Jahre, die bei allen Rassen ähnlich verlaufen ist. In den letzten 25 Jahren wurden in den USA alle Rassen auf extreme Größe gezüchtet. Erfolge auf Schauen hatte nur der Züchter, der den größten Bock oder das größte Schaf vorstellte. Widerristhöhen von über einem Meter (!) sind schon fast Voraussetzung, um auf Schauen Erfolg zu haben.

Optische Täuschung
Um die Schafe auch optisch größer zu machen, wurde der Bauch weggezüchtet. Die Schafe wurden dadurch zwar nicht höher, aber die so gewonnene "Bodenfreiheit" sollte dies vortäuschen. Damit war auch eine  weitere optische Täuschung verbunden:
Durch die langen Beine und den dünnen Körper erweckten diese Schafe den Eindruck, als seien sie sehr lang. Bei einer vergleichenden Betrachtung der Maß- und Wiegeergebnisse arbeitet Mead dann heraus, daß seit Beginn der Züchtung auf extreme Größe außer des "Höhenwachstums" (wenn es denn ein Zuchtfortschritt ist?) keine Verbesserung der Daten eingetreten ist.

        Bei der Bemuskelung, speziell dem Durchmesser des Rückenmuskels (M. longissimus dorsi) hat sich der Wert sogar signifikant verringert.
Mead empfiehlt daher den Züchtern, bei der Auswahl des Bockes den Zollstock nicht nur senkrecht anzulegen, sondern besser die Breite und Länge des Tieres zu messen.

       Durch diese einseitige Züchtung wurde aber nicht nur die Bemuskelung entscheidend verringert, sondern ein weiterer wohl noch größerer Nachteil war damit verbunden:
Durch das Wegzüchten des Bauches und der tiefen Rippe wurde zwangsläufig auch das Pansenvolumen verringert. Diese Schafe sind nicht mehr in der Lage, sich unter normalen Weideverhältnissen so zu ernähren, daß ausreichende Leistungen erzielt werden. Sie sind auf nährstoffreiche Nahrung, sprich Kraftfutter, angewiesen.

        Nach den Angaben von Mead sind die Böcke in der Gebrauchsschafthaltung, d.h. zur Produktion von Schlachtlämmern, nicht geeignet:
        Sie sind wegen des fehlenden Muskelbildungsvermögens im entscheidenden Gewichtsabschnitt nicht schlachtreif und werden deshalb von den Schlachtereien abgelehnt.
        Der andere Grund liegt, wie schon dargestellt, darin, daß diese Schafe sich bei normaler oder gar, wie in der Schafhaltung häufig, extensiver Weidehaltung nicht ausreichend ernähren können.

Schäfer wollen keine "Zuchtschafe"
Aus diesem Grunde hat der Begriff "Zuchtschafe" in den USA bei den Gebrauchsschäfern einen sehr negativen Klang. Sie verbinden diesen Begriff mit einem großen, fleischlosen, weideunfähigen Schaf.
Das hat in den USA dazu geführt, daß sich neben der Herdbuchzucht eine für die Lammfleischproduktion viel bedeutsamere Zuchtrichtung in der Bockproduktion aufgebaut hat. Es sind dies die sogenannten "Wether sires". Wether sire heißt auf Deutsch "Hammelvererber". Dieser leicht mißzuverstehende Begriff hat seinen Ursprung in der amerikanischen Weise der Lammproduktion:  Die männlichen Lämmer werden sehr früh kastriert, damit sie in der Herde als Hammel ruhiger laufen bis zur Schlachtung, die dort mit 55 bis 60 kg Lebendgewicht später stattfindet als bei uns. Die zur Mastlamm-Produktion eingesetzten Böcke produzieren damit auch diese Hammel.

        Diese sogenannten "Wether sires" gibt es in allen Rassen, die auf extreme Größe gezüchtet worden sind. Beim Suffolk ist er im Typ etwas größer als der schottische Typ mit nicht ganz so starken Knochen, aber mit guter Bemuskelung. Die Brust ist weit vorgeschoben. Dadurch sei Platz geschaffen für die Organe und damit auch für den Verdauungstrakt. Die Rippenwölbung ist breit und die Rippen  sind tiefer als bei der Zuchtrichtung (oder "Show-line"). Der Bauch und damit das Pansenvolumen ist entsprechend groß, so daß diese Tiere sich auch auf schlechten Weiden und bei der Landschaftspflege wegen der großen Futteraufnahmemöglichkeit gut ernähren können.

        Obwohl diese "Wether sires" in den USA wesentlich zahlreicher und wirtschaftlich bedeutsamer sind als die registrierten Zuchtschafe der Show-line, wird nicht viel über sie gesprochen. Aufmerksamkeit erregen nur die extremen Tiere auf den Schauen und Auktionen. Für diese Schafe werden zum Teil horrende Preise gezahlt. Die Summen sind aber meist künstlich herbeigeführt, weil man in den USA genau wie in Großbritannien das Zuchttier für das beste hält, welches den höchsten Preis erzielt hat.

Schwappt auch diese Welle von Amerika zu uns?
Welchen Einfluß hat die Situation der Schafzucht in den USA auf die Suffolk-Zucht in Deutschland? Gegen Ende der 80er Jahre importierten einige Züchter aus Hessen Samen von bekannten Suffolk-Spitzenböcken aus den USA. Viele Suffolk-Züchter, besonders aber die "Importeure" glaubten, daß durch den Einsatz dieser Samen und der Nachzucht dieser Böcke ein großer Erfolg und Zuchtfortschritt eintreten würde. Mit Stauen und Ernüchterung vermerkte die Fachwelt, daß bis auf Ausnahmen (die vielleicht auf Kreuzungseffekte oder maternalen Einfluß zurückzuführen waren) diese Erfolge nicht zu verzeichnen waren.

    Die Ursache liegt darin, daß die importierenden Züchter auf die schon beschriebene Situation in den USA hereingefallen waren. Sie hatten in den USA Samen von teuren Böcken mit klangvollen Namen gekauft, weil für sie das Beste gerade gut genug sein sollte. Das aber waren Böcke der "Show-line", d.h. der extrem großen, fleischlosen, weideunfähigen Zuchtlinien, die in den USA von den Gebrauchsschafhaltern gemieden wird. Von den für die Lammfleischproduktion wirtschaftlich bedeutsamen, aber namenlosen "wether sires", den Hammelvererbern, hatten sie natürlich keine Samen gekauft. Gerade die aber hätten ihnen und den deutschen Suffolk-Züchtern zum Erfolg verholfen.

Die in Deutschland vorhandenen Suffolks

    der kleinrahmigen englisch/französischen,
    der mittelrahmigen schottisch/irischen und
    der großrahmigen amerikanischen Zuchtrichtung

unterscheiden sich in Temperament, Gewicht und Fleischqualität wie folgt:

Temperament
Das unterschiedliche Temperament der britischen und amerikanischen Suffolks ist auf deren Ursprung zurückzuführen. Die Rasse Suffolk entstand aus der Kreuzung von Southdown Böcken mit den gehörnten Norfolk-Mutterschafen. Während die Southdown in Großbritannien noch als Fleischrasse existieren, sind die Norfolk nahezu ausgestorben.
        Die Southdown waren kleinrahmig, gut bemuskelt und sehr ruhig im Temperament.
        Das Norfolk Schaf hingegen war größer und hatte einen langgestreckten Körper (DSZ 12/87 , Seite 246 ff.). Wegen  seiner langen Gliedmaßen, der flachen Rippen und seines wilden Temperaments war es bei den Schäfern nicht gerade beliebt.
        Deshalb kreuzte man diese Rasse mit dem Southdown-Schaf und konnte auf diesem Wege diese nicht erwünschten Eigenschaften beseitigen.
        Nach der Verbreitung der Suffolks in den USA ab 1888 versuchte man dort den Rahmen, der durch den Einfluß der Southdown klein geworden war, wieder zu vergrößern. Das geschah teils durch die Gene anderer Rassen, teils auch auch durch Einkreuzung des Norfolk-Schafes. Damit kam aber leider auch dessen wildes Temperament wieder zum Vorschein.
        Im Gegensatz dazu überwiegen beim britischen/französischen Suffolk die Gene des sehr ruhigen Southdown-Schafes.
       Das unterschiedliche Temperament ist auch an der Körperhaltung erkennbar:
Während der amerikanische Suffolk seinen langen dünnen Hals aufrecht trägt wie ein Hirsch oder Rehbock, trägt der britische Suffolk seinen kurzen, stark bemuskelten Hals ähnlich wie ein Texelschaf.   
        Das wilde Temperament der amerikanischen Suffolks hat die Ausbreitung der Suffolks in Deutschland schon  geschadet:
        Viele Schäfer stellten nach ein paar Einkreuzungen fest, daß ihre Herden immer wilder wurden. Da sie irrtümlich dachten, alle Suffolks seien so wild, wandten sie sich wieder von dieser Rasse ab.

Gewicht und tägliche Zunahmen
Das Endgewicht ist bei beiden Linien gleich. Sowohl der sehr große US-Siegerbock auf der Bundesschau "Schafe 1991 wie auch der aus Irland stammende Siegerbock County auf der Landestierschau 1995 in Schleswig-Holstein  wogen 195 kg. Der Bundessieger 1997 "UNOX" lag im Rahmen zwischen beiden, brachte es wegen seiner starken Bemuskelung in Berlin aber sogar auf 211 kg.  Das Endgewicht auf Schauen zeigt aber lediglich, welches genetische Potential in einem Tier steckt.
       Für die alltägliche Haltung sind die täglichen Zunahmen bei der Aufzucht entscheidender. Die täglichen Zunahmen sind bei hochwertigem Futter, d.h. auf Kraftfutterbasis, gleich. Bei reinem Weidegang ist der moderne britische Typ wegen seiner größeren Futteraufnahmemöglichkeit jedoch weit überlegen.

Fleischqualität
Die Fleischqualität wird im wesentlichen gebildet durch die Komponenten Muskelfülle und Fettanteil. Die Muskelbildung beim wachsenden Schaf endet bei den beiden extremen Suffolk-Typen, dem  amerikanischen Show-Typ und dem alten englischen Typ, ähnlich.
        Während beim US Show-Typ infolge der genetischen Veranlagung zur flachen Bemuskelung, insbesondere der Rippen und Keulen, die Kurve bei der Muskelbildung vorzeitig abflacht, sind beim kleinrahmigen "Engländer" durch den zu kleinen Rahmen der Muskelbildung Grenzen gesetzt. Wenn aber die über das Futter aufgenommene Energie nicht mehr in Muskelfleisch umgesetzt werden kann, kommt es zwangsläufig zur Fettbildung.

Den Texelzüchtern über die Schultern geschaut
Während man in den USA durch den Einsatz der sogenannten "Hammelvererber" dieses Problem löste und die klangvollen Suffolk-Zuchtschafe zum Selbstzweck auf Schauen und damit die für Lammfleischproduktion bedeutungslos werden ließ, ist man in Großbritannien und Irland einen anderen Weg gegangen:
        Ende der 80er Jahre wurde mit starker Unterstützung des niederländischen und belgischen Texelzuchtverbandes die Texelzucht in Großbritannien durch den Import bester Zuchttiere aus den Niederlanden und Belgien stark verbessert. Auf Schlachtkörperschauen erzielten die Texel beste Ergenissse gegenüber dem kleinrahmigen Suffolk, der leicht zur Verfettung neigte. Die britischen Suffolk-Züchter reagierten darauf mit verstärkter züchterischer Arbeit in bezug auf die Fleischqualität.
        In Zusammenarbeit mit dem SAC (Scottish Agriculture College) wurde 1988 das Suffolk Sire Reference Scheme gegründet. Mit  Unterstützung der Wissenschaftlicher schlossen sich etwa 60 Suffolk-Züchter, deren Zahl jährlich steigt, mit zusammen über 4000 Herbuchmuttern zusammen.  Die geborenen 6000 bis 7000 Lämmer werden im Alter von 140 Tagen per Ultraschall auf ihre Fleischqualität hin untersucht.
        Die 60 bis 70 Bocklämmer mit den besten Ergebnissen bei den Merkmalen Bemuskelung, Verfettung und Tageszunahmen werden

(Ergänzung in 2004:
Seit neuestem werden diese Böcke im Anschluß im Computertomographen nochmals auf die Zusammensetzung des Körpers hin untersucht. Dabei werden nicht nur Fett-, Fleisch- und Knochenanteil sondern auch die Gewichtsanteile von Keulen, Lenden usw. mit über 99-%-iger Genauigkeit bestimmt. Ebenfalls wird der Ausschlachtungsprozentsatz (KO% = Killing out %) festgestellt.
So hatte der von mir importierte Bock Rugley Musclemaster (SH 053362) folgende Werte:
Lebendgewicht        71,400 kg
ausgeschlachtet      40,570 kg
        KO%                56,8 %
Fett                       10,874 kg    26,8 %
Muskel                   23,333 kg    57,5 %
Knochen                  6,366 kg    15,7 %)

zentral in Penrith zusammengestellt, und alle Züchter können ihren Stimmzettel für den besten Bock abgeben, damit nicht nur der Index, sondern auch die äußere Erscheinung berücksichtigt wird.
       Die beiden Böcke, die die meisten Stimmen auf sich vereinigen, stehen dann über die künstliche Besamung allen Züchtern zur Verfügung. Die Mitglieder des Scheme müssen im ersten Jahr mindestens 30 Mutterschafe mit Samen dieser Böcke befruchten lassen. Auf diesem Wege kann man im ganzen Vereinigten Königreich, auch unter unterschiedlichen Haltungsbedingungen, den besten Vererber ermitteln, dessen Samen dann verstärkt nachgefragt werden. Durch die sehr zahlreichen Halbgeschwister, deren Ergebnisse in bezug auf Tageszunahme und Fleischqualität allen Mitgliedern bekannt gemacht werden, sind negative Vererber schnell erkannt und verschwinden mangels Nachfrage in den Folgejahren wieder.

Wie stark der so erreichte Zuchterfolg ist, zeigt folgendes:
       1990 hat man den Durchschnitt EBV (Estimated Breeding Value - geschätzter Zuchtwert) der untersuchten Zuchtböcke = 100 gesetzt. Fünf Jahre später betrug dieser Wert schon 146 Punkte. In dieser Zeit stiegen aber nicht nur die Werte für die Bemuskelung und die täglichen Zunahmen. Damit verbunden war auch eine Vergrößerung des Rahmens. Die Tiere wurden länger, aber auch breiter. Die Spitzentiere aus diesem Programm sind nach unseren Maßstäben als mittelrahmig zu bezeichnen.
        Der Erfolg blieb nicht aus. Die Suffolks konnten ihre dominierende Stellung in der britischen Schafzucht nicht nur behaupten, sondern sogar noch ausbauen: Über 65 % der britischen Schlachtlämmer stammen von Suffolkböcken. Die Texel spielen dort nur eine geringe Rolle. Das beweisen z.B. auch folgende Zahlen:
        So wurden z.B. auf einer der größten Auktionen in Kelso 2804 Suffolk-Herdbuch-Böcke aufgetrieben gegenüber 836 Texelböcken. Auf den anderen Auktionen sind die Relationen ähnlich.
        Der Preis betrug bei den Suffolks 470 GBP, bei den Texeln 415 GBP. Zwar haben die Texelzuchtverbände mit 2500 Mitgliedern 200 mehr als die Suffolk Sheep Society. Bei den eingetragenen Herdbuchschafen liegen  aber die Suffolk weit vorn mit 2300 Herden mit insgesamt 85.100 Mutterschafen. Gegenüber 1990 bedeutet dies eine Steigerung von 9,4 %.
        Die Texelverbände haben nach eigenen Angaben wesentlich mehr Hobbyschafhalter als Mitglieder und deshalb so wenig Herdbuchtiere.

        In Großbritannien, wo die Schafzuchtverbände nicht wie bei uns nach Regionen, sondern nach Rassen gegliedert sind und dementsprechend aggressiv Werbung betreiben, wird diese Tatsache gern verschwiegen und insbesondere ausländischen Besuchern, die nicht über die britische Schafzucht informiert sind, das Gegenteil erzählt (siehe DSZ 26/1997, "Sheep `96 in Malvern").

Lernen wir aus diesen Entwicklungen
Die Erfahrungen in beiden Ländern zeigen, daß die Extreme in beiden Richtungen in die Sackgasse führen. Weder der extrem große, flachbemuskelte, hartfuttrige und dazu meist wilde US-Suffolk noch der veraltete kleinrahmige englisch/französische Typ werden auf Dauer die bisherige Erfolgskurve der Suffolks in Deutschland weiter ansteigen lassen. Das schließt nicht aus, daß auch weiterhin einige in diese Typen verliebte "Hobbyzüchter" sich mit ihnen beschäftigen werden.
        Das Zuchtziel in Deutschland kann nur wie in den anderen Ländern auch ein Fleischschaf sein, welches nicht nur unter unterschiedlichen Weidebedingungen, sondern auch bei Stallhaltung ein sehr schnelles Jugendwachstum bei guter Futterverwertung und auch bei verschiedenen, d.h. auch bei höheren, Mastendgewichten hervorragende Schlachtkörper liefert.

Das Zuchtziel im Auge behalten
Die vieldiskutierte Frage des Rahmens und des Typs ist von der VDL bei der Rassenbeschreibung in der CMA-Broschüre über die deutschen Zuchtschafe richtig beschrieben worden:

"Mittelgroß bis groß mit langem breitem Rücken. Tief gewölbte Brust, gute Bemuskelung besonders an Rücken und Keulen."

    Die Formulierung "mittelgroß bis groß" läßt ausreichend Spielraum. Endscheidend ist, daß auch bei etwas größerem Rahmen auf gute Bemuskelung an Rücken und Keulen geachtet wird. Wenn die deutschen Suffolkzüchter dieses Zuchtziel konsequent verfolgen, werden sie mit den Suffolks in Deutschland langfristig Erfolg haben.
        Das setzt aber voraus, daß die Preisrichter dieses von der VDL schon vorgegebene Zuchtziel bei den Suffolks kennen: Wenn ein Preisrichter auf zwei Suffolk-Eliteauktionen Äußerungen wie "Ein Suffolk muß nur lang und groß sein - wer Keulen haben will, kann ja Texel einsetzen" von sich gibt, zeigt, daß er von den Suffolks nicht einmal das Zuchtziel kennt.
Suffolks sind keine windschnittigen Reit- oder Rennschafe, sondern in vielen Teilen der Welt die dominierende Fleischschafrasse.
        Bei einer Fleischschafrasse ist aber die Fleischleistung, d.h. die Bemuskelung, das entscheidende Zuchtziel, welches auch bei der Prämierung in den Vordergrund zu stellen ist.
    Wenn die Suffolk-Züchter wollen, daß die Suffolks als Fleischschafe auch in Deutschland erfolgreich sind, werden sie auf Fleischleistung, d.h. auf Muskelfülle und Fleischqualität, züchten müssen.
Wenn schon extreme Zuchtziele angepeilt werden, dann nur bei diesen Eigenschaften.
        Zucht ist bei einer Fleischschafrasse kein Selbstzweck, sondern dient in letzter Konsequenz dazu, dem Gebrauchsschafhalter geeignete Böcke an die Hand zu geben, um damit wiederum marktgerechte Schlachtlämmer zu produzieren. Wenn den Suffolk-Züchtern dies nicht gelingt, werden die Schafhalter unter dem Druck ihrer Abnehmer und der Schlachtereien auf Böcke anderer Rassen ausweichen bzw. bei diesen bleiben. Die Entwicklungen in den USA und Großbritannien sollten da eine Lehre sein. Auf den Luxus einer "Show-line", nur um wie in den USA auf Ausstellungen die größten Tiere zu haben, können wir verzichten.

        Im übrigen sollten wir nach über 20 Jahren Suffolk-Zucht in Deutschland von den Begriffen "Amis" oder "Engländer" wegkommen, insbesondere, wenn wir nur auf den von der VDL beschriebenen Suffolk (Deutscher Suffolk) konzentrieren, der auch den Erfordernissen des Marktes entspricht. In einer Marktwirtschaft ist das die Institution, die letztendlich besser als jeder Ausschuß bestimmt, was produziert werden muß.
        Wie gut das funktioniert, zeigt die regional unterschiedliche Entwicklung der Suffolks in Deutschland. In Schleswig-Holstein, wo die Züchter von Anfang an auf Bemuskelung züchteten, haben sich die Suffolks innerhalb weniger Jahre in puncto Herdbuchbestand und Zuchttierumsatz zur zweitstärksten Rasse nach den Texeln entwickelt (und zum weitaus größten Bestand auf Bundesebene). In den früheren Hochburgen hingegen, wo die dominierenden Züchter den US-Typ bevorzugten, sind Umsätze und Bestände rückläufig.