Suffolkschafe - Zuchtziele
20.12.2003 
10.10.2010 zuletzt aktualisiert


Unser Zuchtziel ist ein robustes und frohwüchsiges Suffolk-Schaf, das sowohl auf der Weide wie auch in der Stallhaltung problemlos gute Ergebnisse erzielt.

Tageszunahmen von über 500 g werden sehr häufig erreicht, von unserem besten Lammbock 054457 erzielten 23 geprüfte Nachkommen eine  durchschnittliche Tageszunahmen von 607g;
bei Prüfende waren sie durchschnittlich 72 Tage alt und hatten ein Gewicht von 46,2 kg
- Schlachtgewicht in weniger als 2 1/2 Monaten - . 

Gleichzeitig wird ein sehr langer Schlachtkörper angestrebt mit einer sehr starken Keulenbemuskelung.

Voraussetzung für eine erfolgreiche und konsequente Zuchtarbeit ist aber, daß eine ausreichende Anzahl von Tieren zur Verfügung steht, damit selektiert werden kann
 

Unser Ziel ist es, diese wertbestimmenden Schlachtkörperteile (Keule und Rücken) noch weiter zu verbessern. Hinsichtlich der Körperlänge erfolgt dies durch den Einsatz von Böcken des amerikanischen Typs, während die starke Keule durch den jährlichen Import schottischer Spitzenböcke verbessert wird.
Diese Böcke wurden dort mittels der Blup-Zuchtwertschätzung (BLUP = best linear unbiased prediction - beste lineare unbeeinflußte Zuchtwertschätzung -) im Suffolk-Sire-Reference-Scheme auf Tageszunahme, Bemuskelung und Fettabdeckung getestet.
Von den ca. 4.000 jährlich geprüften Böcken importieren wir nur Böcke der Spitzengruppe und setzen diese ein.

Die Gründe für die starke Nachfrage nach Suffolks sind vielfältiger Natur; insbesondere überzeugt diese Schafrasse durch:

hohe Tageszunahmen
Die Suffolks haben in Relation zu anderen Rassen eine sehr hohe Wachstumskapazität, was die Ergebnisse der Leistungsprüfung für Schafe 1999 in Achterwehr belegen. Es wurden folgende Ergebnisse bei 24 geprüften Suffolkböcken erzielt:

Ergebnisse von - bis Durchschnitt
Prüftage 32 - 69 49,80 Tage
Tageszunahme 316 - 571 g 423 g
STE/kg Zuwachs 1.533 - 2.442 2.168
Ultraschall Fett 3 - 6 mm 4,8 mm
Ultraschall Muskel 23 - 33 mm 30,1 mm

Nachfolgend die Ergebnisse unserer 8 geprüften Suffolkböcke  (veröffentlicht im Prüfungsbericht 1999 der Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein)

Lamm-Nr. Vater Prüftags-
zunahme
StE je kg Zuwachs Ultra
schall
Fett
in mm
Ultra
schall
Muskel
in mm
52930/07 52073 571 1.750 4 31
52930/08 52073 402 2.195 5 31
52961/07 52073 502 1.890 6 25
53132/06 52908 438 2.057 5 31
52960/07 52908 522 1.981 4 23
51621/13 52908 563 1.533 6 29
51621/12 52908 476 2.002 5 29
52939/06 52908 507 1.981 6 29
Durchschnitt 498 g 1.923


Zum Vergleich die Durchschnittswerte der 2000 in Bayern geprüften Suffolkböcke (aus der Bayerische Schafhalter Nr. 1 Jahrgang 2001)
Tageszunahme            403 g
StE je kg Zuwachs       2.253

Bei  täglichen Zunahme von 498 g (Zucht Breyhahn 1999)
benötigt ein Lamm bis zur Schlachtreife (45 kg Lebendgewicht ./. 5 kg Geburtsgewicht = 40 kg Zunahme) 80 Tage;
bei täglichen Zunahmen von 403 g (Suffolk in Bayern 1999/2000) sind es schon 99 Tage.
Es muß für 19 Tage länger Weideland bzw. Futter im Stall vorgehalten werden, was zu Lasten der Wirtschaftlichkeit der Schlachtlämmerproduktion geht. Die Mastdauer wird hier ohne Notwendigkeit um 24 % verlängert!
Richtig interessant wird es aber erst beim nächsten Punkt, der Futterverwertung.

gute Futterverwertung
Neben der Tageszunahme hat die Futterverwertung  (der Verbrauch von StE/kg Körpergewichtszuwachs) sehr große Auswirkungen auf das Einkommen der Lämmerproduzenten. Für die  Praxis  haben die unter Tageszunahmen ermittelten Daten folgende Bedeutung:
die Breyhahn-Lämmer benötigten 1.923 StE pro kg Gewichtszuwachs, die Bayern-Lämmer 2.253 StE,
also 330 StE mehr pro kg Zuwachs.

Bei durchschnittlichen Kosten für 1.000 StE
aus Weidegras von -,10 € und aus Kraftfutter von 0,30 €,
sind das Mehrkosten je nach Futterart von 0,03 € bis 0,10 € je kg Zuwachs.
Bei einer Lebensleistung von 40 kg je Lamm sind das Mehrkosten zwischen 1,20 € (nur Weide/Heu) und 4,-- € (bei Kraftfutter) nur durch die schlechtere Futterverwertung.
Wenn man dann noch berücksichtigt, daß die Lämmer - wie unter Tageszunahme erwähnt - unnötig über einen um 24 % verlängerten Zeitraum gehalten werden, kommt der Erhaltungsbedarf für diesen Zeitraum  noch hinzu.
Fazit:
Diese Zahlen zeigen deutlich, daß nicht nur in größeren Herden durch die gezielte Auswahl von Böcken mit guten Tageszunahmen und guter Futterwertung eine erheblich kostengünstigere Produktion von Mastlämmern möglich ist.

Ergänzung vom 07.11.2008:
Heute haben wir die offiziellen Ergebnisse der Blup-Zuchtwertprüfung durch die Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein für die Nachkommen unsere Stammböcke erhalten, was das oben Gesagte nochmals in seiner Wichtigkeit unterstreicht. Die Messungen erfolgten in etwa mit der Schlachtreife:
ab mindestens 35 kg, im Alter bis max. 150 Tage, für mind. 20  Nachkommen.

Ergebnisse der Feldprüfung Schafe (Schlachtreife)
Selektionskriterien:
Gewicht ab 35 kg, Alter bis 150 Tage,
mind. 20 Nachkommen
Stamm-bock Anzahl
gepr.
Nach-kommen
Alter
(Tage)
Ge-wicht
(kg)
LTZ
(g)

Bemus-
kelung
(Punkte)
Ultraschall
Muskel-
dicke
(mm)
054444 55 113 57,6 483 7,4 30,8
054457 23 72 46,2 607 7,4 28,9
054478 47 92 49,6 513 7,6 29,7
054479 25 96 53,1 525 7,8 30,2
054480 29 87 53,2 581 8,0 30,1
DE101100            
14462 24 90 48,3 503 7,4 27,8
DE101100            
14568 30 113 54,1 452 7,5 29,7

hohe Fleischleistung und gute Schlachtkörperqualität
In Großbritannien, dem Land der EU, welches die meisten Schafe und mit Abstand auch die meisten verschiedenen Schafrassen hat, finden jährlich Wettbewerbe hinsichtlich der besten Schlachtkörper der Schlachtlämmer statt. In den letzten Jahren waren die Gewinner dieser Wettbewerbe Suffolklämmer bzw. Suffolk-Kreuzungsklämmer, dicht gefolgt von Texellämmern.

gutes Ablammergebnis

gute Muttereigenschaften

hohe Milchleistung

gute Gesundheit
Die Erfahrungen haben gezeigt, daß Suffolkschafe praktisch keine Probleme mit chronischen Atemwegs- oder Lungenerkrankungen haben. Da aus diesem Grunde keine Ausmerzungen vorgenommen werden müssen, erreichen die Suffolks ein relativ hohes Lebensalter. Angesichts der Tatsache, daß Merzschafe teilweise kaum noch absetzbar sind, kommt der Nutzungsdauer der Schafe wirtschaftlich eine immer größere Bedeutung zu.

Scrapieresistenz
Von großer Bedeutung für alle, gleich ob Schafzüchter oder Lammfleischproduzent, ist die politische Entscheidung, daß in Zukunft in  Europa Handelsrestriktionen für nicht scrapieresistente Schafe eingeführt werden.
So hat z.B. Holland schon entschieden, daß ab Juli 2004 nur noch resistente Böcke eingesetzt werden dürfen. Das gilt sowohl für Zucht- wie auch für Gebrauchsschafherden.
Ab Januar 2005 dürfen dann nur noch Nachkommen von resistenten Böcken geschlachtet werden.
In anderen Mitgliedsstaaten der EU sieht es ähnlich aus.
Auch bei uns wurde 17.10.2005 endlich die TSE-Resistenzzuchtverordnung verabschiedet.